Review

Battlefield 2042

Veröffentlicht am 21.11.2021 von Andreas Erber

Battlefield 2042 (PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series) Test / Review

Das Jahr 2042 kommt schneller als man denkt

Battlefield 2042 soll die bisher immersivste Ego-Shooter-Erfahrung der Videospielgeschichte darstellen und die Action-Messlatte wieder ein wenig höher setzen. Die Marke "Battlefield" schafft es aber auch tatsächlich den Hype um das Ego-Shooter Genre höher als andere zu halten, was vermutlich auch daran liegen könnte, dass es vom Publisher keine jährlichen Veröffentlichungen geben "muss", was in Anbetracht des großen Arbeitsaufwandes wegen der riesigen Maps auch nicht umsetzbar wäre. Denn wohingegen es beispielsweise das Entwicklerteam von Call of Duty nicht jedes Jahr schafft einen großen Wurf zu starten, gelingt es EA Dice mit Electronic Arts die Vorfreude groß zu halten. Die Fangemeinde wird stets mit kleinen Vorschaubildern und spannenden Videos mit Orchesterklängen auf trapp gehalten.

Newsflash: Laut neuesten Informationen (November 2021) soll Activision bereits intern darüber nachdenken, ob jährliche Releases sinnvoll sind. Ubisoft hat bei der Assassin's Creed Marke bereits schon seit längerem die Handbremse gezogen. Statt Quantität sollte zukünftig lieber mehr mit Qualität produziert werden.

Battlefield 2042 ist der neueste Streich von Entwicklerstudio EA Dice und kehrt in Sachen Gameplay zu seinen Wurzeln zurück. Der technische Part hingegen ist auf dem aktuell neuesten Stand. Der First-Person-Shooter spielt in naher Zukunft, genauer gesagt im Jahre 2042, wie der Titel unverkennbar verrät. Der Shooter verspricht dank hochmodernem Arsenal rasante Action auf dynamischen Schlachtfeldern. Auf das Stichwort "Dynamik" legten die Entwickler diesmal ein besonderes Hauptaugenmerkmal.

Battlefield 2042 (PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series) Test / Review

128 Spieler und 1 Ziel… im Trupp als Team gewinnen

Fast unvorstellbar, doch tatsächlich werden bis zu 128 Spieler:innen auf das Schlachtfeld geschickt. Wohlgemerkt ist dies nur auf den Next-Gen Konsolen (PS5 & Xbox Series X) umsetzbar. Current-Gen Konsolen dürfen sich Gesamt mit "nur" 64 Spieler:innen begnügen, was angesichts der altbackenen Technik noch eine erstaunliche Anzahl ist. Zwar stehen 10 Spezialisten mit individuellen Fähigkeiten zur Auswahl, doch seltsamerweise sehen die Charaktere auf beiden Fraktionen (USA&Russland) identisch aus. Nur die Kleidung ansich lässt sich anpassen. Bei der überschaubaren, modischen Auswahl ist somit mit vielen Klonen zu rechnen.

Die Größenordnung der Schlachtfelder musste der enormen Anzahl an Spieler:innen dementsprechend anwachsen. Es wird also zu Beginn recht schwierig werden sich schnell orientieren zu können, da die Level einfach unglaublich riesig ausfallen und die Umgebung an jeder Ecke neu wirkt. Spieler:innen sollten sich allerdings auf einen Sektor mit den dazugehörigen Flaggen (z.B.: Flagge-E1, -E2, -E3) konzentrieren, da dies noch mehr Extrapunkte bringt. Natürlich sind, je nach Spielmodi, auch etwas kleinere Maps mit von der Partie.

Mit 128 Spieler:innen auf einer Map kann es schon mal chaotisch werden. Klar der erste Ansturm mit 63 weiteren Spieler:innen im Team ist cool und sieht optisch genial aus, aber der Spielspaß wird dadurch nicht unbedingt erhöht. Gerade Anfänger tun sich mit dieser Überfüllung etwas schwer und beißen früher in den Sand, als es ihnen lieb ist. Das Fahrzeug-Spawning ist auch so eine Sache, denn dadurch ist es möglich direkt hinter den feindlichen Linien zu landen, um den Gegner von hinten zu attackieren.

All-Out Warefare
Spielmodi wie Eroberung und Durchbruch wurden von Grund auf überarbeitet und können Online, mit Freunden oder auch Solo mit KI-Kollegen im Trupp bzw. gegen KI-Bots gespielt werden. Hier gibt es Territorialkontrolle und epische Schlachten in denen es gilt so viele Zonen wie möglich einzunehmen und auch zu halten. Wurden mehr als die Hälfte aller verfügbaren Zonen erobert, wird der Trupp Nachschub des gegnerischen Teams kontinuierlich schwächer und einem Sieg steht eigentlich nichts mehr im Wege. Tipp: Passt stets auf eure Rückendeckung auf, das gegnerische Team könnte jederzeit einen Hinterhalt planen oder mit großem Geschütz wie Panzern oder Kampfhubschraubern die eroberten Ziele aufmischen.

Beim Erststart des Games gelangt man direkt in eine solcher Solorunde. Der entscheidende Vorteil bei Offline-Partien ist der gestärkte Lernfaktor. Zum einen können Spieler:innen sich vorerst in aller Ruhe mit der Steuerung vertraut machen und zum anderen können die Maps ganz genau begutachtet werden. Eine offline Trainingsrunde hilft auch beim Kennenlernen der vielen Waffen, Aufsätze, Gegenstände und Fahrzeuge. Praktisch ist, dass gleich mehrere Aufsätze ausgewählt werden können und diese sich kurzerhand mitten im Spiel per L1-Taste austauschen lassen. Alles in Echtzeit sozusagen.
Doch das ist noch lange nicht alles! Sogar ein Roboter-Hund und eine Drohne zu Aufkärungszwecken stehen auf der Arsenalliste. Für coole, moderne Tech-Ausrüstung ist jedenfalls gesorgt! Der Roboter-Hund als auch gewisse Bodenfahrzeuge lassen sich ganz einfach über den mitgeführenten PDA anfordern.
Fahrzeuge gibt es im Übrigen mehr als genug. Die Palette reicht vom schwerbewaffneten Düsenjet bis hin zum vollelektrischen Stadtflitzer für Touristen. Fluganfänger sind nach einem Absturz für eine Zeit lang gesperrt, damit auch mal bessere Flugasse ihr Glück versuchen können. Die Fahzeuge lassen sich zudem optisch anpassen.
Besonders cool ist der Wing-Suit der im freien Fall jederzeit eingesetzt werden kann.

Eroberung
Das-All-Out-War-Erlebnis im Herzen von Battlefield. "Eroberung" bietet groß angelegte Schlachten zur Sicherung globaler strategischer Positionen, Kämpfe direkt oder halte strategische Positionen, um die Gegenseite ausbluten zu lassen, bis ihre Verstärkungen aufgerieben sind.

Durchbruch
Durchbruch ist ein intensiver Modus, bei dem sich die Frontlinie ständig verschiebt. Die angreifenden Einheiten müssen alle Ziele auf einmal erobern und die verteidigenden Einheiten zwingen, sich zu ihrem nächsten Stützpunkt zurückzuziehen.

Neu ist eine Art Community-Plattform, auf der unerwartete Schlachten aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erstellt, geteilt und erlebt werden dürfen. Das Ganze nennt sich "Battlefield Portal" und befindet sich ganz rechts an letzter Stelle des Hauptmenüs. Die personalisierten Runden sind vom Setting (Waffen, Charaktere, ...) her an Battlefield 1942, Battlefield Bad Company 2 und Battlefield 3 angesiedelt. Also an die besten Battlefield Maps&Modi der vergangenen Jahre. Da sind natürlich altbekannte Spielmodi wie Rush mit von der Partie. Die Devise lautet hier ganz klar: "Dein Battlefield, deine Regeln!"
Zudem gibt es aktuell den Spielmodus "VIP Fiesta", in dem Spieler:innen nur dann punkten, wenn sie den feindlichen VIP ausschalten. Nach dem Bildschrimtod erfolgt der Respawn immer mit einer neuen Ausrüstung, was den Reiz des Ausprobierens anspornt. Durch weitere Updates können hier immer wieder neue Spiemodi hinzukommen, was den Wiederspielwert durchaus erhöhen wird.

Ebenfalls komplett neu ist der BattlefieldHazard ZoneModus. Hazard Zone, ist ein intensiver, truppbasierter Überlebenskampf, bei dem jede Kugel, jedes Gefecht und jede Entscheidung zählt. Das Zusammenspiel im Team und vor allem in der Truppe ist von hoher Wichtigkeit. Beispielsweise sollten verletzte Mitspieler:innen nicht einfach missachtet sondern mit dem Medikit oder der Heilspritze sofort wieder auf die Beine gebracht werden. Der Hazard Zone Modus ist ein Mix aus PvE und PvP in dem Spieler:innen im Vierer-Squad mit insgesamt 32 Spielern auf einer von sieben Maps Datenpakete suchen und sammeln müssen. Diese Datenpakete beinhalten geheimdienstlich relevante Datenlaufwerke aus der ganzen Welt, die nach einem "Blackout" für das Weiterleben ohne Kriegsausbruch essentiell sind.
Die gegnerische Mannschaft aus echten Spieler:innen und KI-Gegnern erschwert hingegen die Suche und Bergung der Datenpakete. Am Ende gilt es lebend mit soviel wie möglich gesicherten Datenlaufwerken zu entkommen. Der Modus beinhaltet einige Ähnlichkeiten zu Raid-Shootern wie "Hunt: Showdown". Ein also eher untypischer Modus in der Battlefield-Welt.

Einen klassischen Storymodus, wie in Call of Duty Vanguard, sucht man leider vergebens, dafür floss vermutlich zu viel Arbeitsaufwand in den Hazard Zone Modus.

Battlefield 2042 (PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series) Test / Review

Gameplay & Steuerung

Wie bereits erwähnt kehrt der Titel in Sachen Gameplay zu den Wurzeln zurück und bietet ein Fest für Ego-Shooter-Fans. Die Handhabung ist innovativ und äußerst gut gelungen. Alle Aktionen und Eingaben, wie beispielsweise das Überwinden von Hindernissen, passieren reibungslos. Erfreulich ist vor allem am das überarbeitete Treffer-Feedback, welches durch das haptische Feedback wesentlich gefühlechter ausfällt. Das haptische Feedback ist allerdings nur in der Next-Gen Version der PlayStation 5 dank des DualSense Wireless-Controllers verfügbar. Die Vibrationen kommen sehr gut zur Geltung und unterstützen gekonnt die ohnehin dichte Atmosphäre. Schüsse, Treffer oder Fahrzeugmanöver fühlen sich durch die Controller-Technik echt an. Jeder einzelne Schritt samt Kampfausrüstung ist nachvollziehbar und ein spielerisches Highlight.
Die Einstellungen zur Steuerung und weiteren Gameplaybereichen bieten zudem schier unendlich viele Möglichkeiten in der Feinjustierung. Nerds von Ego-Shootern werden mit Sicherheit ihre Zufriedenheit finden.

Ärgerlich sind die wenigen, aber doch nervigen Bugs, die ab und an auch mal einen Komplettabsturz hervorrufen können. Nach einem Bildschirmtod beispielsweise, konnte der Charakter weder wiederbelebt noch zurück zu den Einstiegspunkten gelangen. Das ist gerade mitten in einer längeren Spielpartie äußerst ärgerlich, da alle Erfolge und freigeschalteten Gegenstände verloren gehen.

Erfreulich hingegen sind die vielen freischaltbaren Waffen, Ausrüstungen und Tarnfarben. Die Motivation steigt einfach enorm, wenn ein neuer Aufsatz oder eine neue coole Tarnfarbe für seine Lieblingswaffe erspielt werden konnte. Genial ist, dass deutlich mehr Charaktere zur Auswahl stehen und alle von ihnen neben ihren Eigenschaften auch Munitionskisten oder Erste-Hilfe-Koffer verteilen können. Die Vielfalt bei der charakteristischen Zusammenstellung ist enorm, zudem sind Charaktere nun wesentlich freier gestaltbar.

Battlefield 2042 (PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series) Test / Review

Grafik & Sound

Die Grafikdarstellung ist auf dem technisch aktuellsten Niveau und wird der Next-Gen Generation durchaus gerecht, auch wenn es noch reichlich Luft nach oben gibt. Die Weitsicht ist überragend und vor allem die Aussicht von den gigantischen Wolkenkratzern ist beeindruckend. Allerdings ist nicht jede Ecke gleich schön designt. So gibt es auch triste Stellen und leere Straßenzüge oder Räume in denen der Detailreichtum gleich null ist. Nur an bestimmten Stellen im Kriegsgebiet kommt es zum grafischen Wow-Effekt.
Alle Bewegungsabläufe verlaufen stets flüssig und das Spiel bleibt trotz der hohen Anzahl an Spielern stets ruckelfrei. Ärgerlich sind allerdings die vielen peinliche Bugs, die wohl oder übel erst mit zukünftigen Updates und Patches aus der Welt geschafft werden können. Ein Dilemma, das nach so langer Entwicklungszeit wirklich nicht passieren dürfte.

Was hat es jetzt eigentlich mit der anfangs erwähnten "Dynamik" auf sich? Die Welt in Battlefield 2042 erlebt stetig wechselnde Kampfbedingungen und Gameplay-Herausforderungen. Ereignisse wie Stürme machen den Truppen mit Sicherheit den einen oder anderen Plan zu Nichte. Wenn Mutter Natur zur Feindin wird, kann dies verheerende Folgen haben.

Der Sound war in Battlefield schon immer bombastisch und mit dynamischen Hymnen gesät. Der Soundtrack, allen voran mit dem Battlefield Main Theme, klingt dank der dichten Orchesteraufnahmen sehr breit gefächert. Soundeffekte von Mündungsfeuer, Kugeleinschüssen und zusammenbrechenden Gebäuden klingen extrem realistisch. Die vorbeifliegenden Düsenjets und tieffliegenden Hubschrauber sorgen für Gänsehaut und geben der Atmosphäre die letzte Würze. Ein gelungenes Akustikfest, das mit der richtigen Soundanlage wie eine Bombe einschlägt!

Battlefield 2042 (PC, PS4, PS5, Xbox One, Xbox Series) Test / Review

Pro

  • technisch flüssig, allerdings mit mehreren peinlichen Bugs
  • Atmosphäre ist phänomenal, wobei es Stellen gibt wo es detailreicher sein könnte
  • bombastischer Sound mit typischen Battlefield Orchesterklängen
  • Hazard Zone Modus ist erfrischend neu und funktioniert hervorragend
  • 128 Spieler:innen in einer Schlacht
  • schneller Wechsel von mehreren Aufsätzen in Echtzeit

Contra

  • leider kein klassischer Storymodus enthalten
  • für manche Spieler:innen evenutell zu wenig Spielmodi
  • 128 Spieler:innen provozieren oft Chaos und Unübersicht
  • nur für hartgesonnene Ego-Shooter Fans
  • trotz langer Entwicklungszeit gibt es im Spiel leider zu viele Bugs

Fazit

Battlefield 2042 ist für Ego-Shooter-Fans ein Must-Have, aber eben nur für Ego-Shooter Fans. Wer eine actionreiche Story erwartet wird auf ganzer Linie enttäuscht, da hilft auch die umwerfende Grafik und der bombastische Sound nicht weiter. Das Gameplay hat den Weg zu den Battlefield Ablegern früherer Tage zurückgefunden und verzichtet auf komplizierte Features, die am Ende sowieso niemand benützen würde. Sehr beeindruckend sind die fahrbaren Untersätze die selbst einen Düsenjet oder Kampfhubschraube beinhalten.
128 Spieler:innen können schnell ein Durcheinander in das Kampfgeschehen bringen, weshalb der Zusammenhalt im Trupp besonders wichtig ist. Die Spielmodi sind überschaubar aber ausreichend um für mehrere Stunden zu unterhalten. Battlefield 2042, ein Ego-Shooter für Fans!

Getestet wurde Battlefield 2042 auf PS5 von Andreas Erber. Das Spiel lag uns zum Testzeitpunkt in Version 1.000.004 vor.

Das Test-Exemplar / der Review-Code für Battlefield 2042 wurde uns von Electronic Arts kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!